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	<title>machsweg Archive - Laurens Dillmann</title>
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	<title>machsweg Archive - Laurens Dillmann</title>
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		<title>Wenn das Gemeinwesen bröckelt – der Unternehmer und Autor Ralf M. Ruthardt über das leise Verschwinden des gesellschaftlichen Wir-Gefühls</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laurens Dillmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Aug 2025 14:18:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Mein Eindruck ist, dass wir uns in unserem Wohlstand dermaßen vergaloppiert haben, dass wir uns aktuell aussuchen können, ob uns unser Gemeinwesen zuerst wirtschaftlich oder durch geostrategische Konflikte um die Ohren fliegt. In 2025 sind in allen Gesellschaftsbereichen zu viele Menschen damit beschäftigt, sich entweder ins Private zurückzuziehen und den Kopf in den Sand zu [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://laurensdillmann.de/wenn-das-gemeinwesen-brockelt-der-unternehmer-und-autor-ralf-m-ruthardt-uber-das-leise-verschwinden-des-gesellschaftlichen-wir-gefuhls/">Wenn das Gemeinwesen bröckelt – der Unternehmer und Autor Ralf M. Ruthardt über das leise Verschwinden des gesellschaftlichen Wir-Gefühls</a> erschien zuerst auf <a href="https://laurensdillmann.de">Laurens Dillmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image alignwide"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="300" height="200" src="https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/R-Ruthardt-4-300x200.jpg" alt="" class="wp-image-9478" srcset="https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/R-Ruthardt-4-300x200.jpg 300w, https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/R-Ruthardt-4-1024x683.jpg 1024w, https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/R-Ruthardt-4-768x512.jpg 768w, https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/R-Ruthardt-4.jpg 1240w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>



<p></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><span style="font-weight: 400;">„<em>Mein Eindruck ist, dass wir uns in unserem Wohlstand dermaßen vergaloppiert haben, dass wir uns aktuell aussuchen können, ob uns unser Gemeinwesen zuerst wirtschaftlich oder durch geostrategische Konflikte um die Ohren fliegt. In 2025 sind in allen Gesellschaftsbereichen zu viele Menschen damit beschäftigt, sich entweder ins Private zurückzuziehen und den Kopf in den Sand zu stecken, oder eben innerhalb des Systems für sich das Beste herauszuholen. Egal, wo ich hingucke: Ich erlebe sehr wenig Gemeinsinn. Nicht, dass es den nicht mehr gibt, aber er ist so dünn geworden, dass unser gesellschaftliches System zu bröckeln beginnt. Es braucht mehr Leute, die Reissäcke aufheben!</em></span>“</p>
</blockquote>



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<h3 class="wp-block-heading"><b><strong>Ralf M. Ruthardt — Unternehmer, Autor &amp; KI-Stratege</strong></b></h3>



<p>Ralf M. Ruthardt hat sich als Unternehmer viele Jahre mit Prozessautomatisierung und digitaler Transformation beschäftigt. Seit den 1990er-Jahren gründete er mehrere Unternehmen mit Lösungen zur Automatisierung von Geschäftsprozessen. Seine Arbeit umfasste unter anderem die Entwicklung von -Cloud-Lösungen, die Automatisierung kaufmännischer Abläufe sowie den Einsatz KI-gestützter Anwendungen.Neben seiner Unternehmerlaufbahn engagierte sich Ruthardt über 40 Jahre ehrenamtlich in Kirchengemeinden und unterstützt soziale Projekte in Afrika. Seit einigen Jahren ist er publizistisch tätig, unter anderem als Herausgeber des Magazins <em>MIT</em><strong><em>MENSCHEN</em></strong><em>REDEN </em>und unter anderem als Autor der Romane <em>Das laute Schweigen des Max Grund </em>und <em>Untergang der GREEN</em>. Ruthardt beschäftigt sich in seiner Arbeit mit Fragen gesellschaftlicher Verantwortung, unternehmerischer Gestaltungskraft und der Rolle individueller Haltungen im öffentlichen Diskurs.<br><a href="https://ruthardt.de/">www.ruthardt.de</a></p>



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<p><i>Das Gespräch wurde am 30. Juli 2025 online geführt.</i></p>



<h3 class="wp-block-heading"><b>Laurens Dillmann: <strong>Was ist Ihr Grund, morgens aufzustehen?</strong></b></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>An<strong> </strong>den meisten Tagen ist es die freudige Erwartung, ans Werk zu gehen. Also an etwas arbeiten zu dürfen, was auf der Agenda steht. Ich arbeite sehr gerne und habe Freude an dem, was ich tue. Manchmal ist es auch ein Pflichtgefühl, ein ausgemachter Termin, zu dem ich am Rechner sitzen muss. Meistens treiben mich aber Freude und die Gestaltungsmöglichkeiten an.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was ist Ihre Arbeit?</strong></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Da haben wir drei Bereiche: Bislang war ich ja mit meinen Unternehmen vor allem im Bereich der Prozessautomatisierung unterwegs. Ich durfte einige Unternehmen selbst gründen und neue technologische Innovationen auf den Markt bringen. In meinem Arbeitsumfeld gab es dazu in der Regel drei Teams: Ein Entwicklerteam, eines, das die Entwicklungen beim Kunden implementiert und den Vertrieb, der den Kunden nahe brachte, was wir überhaupt vorhaben und welche Mehrwerte er bekommt. Dieses Zusammenspiel an Menschen, Ideen und Umsetzung empfinde ich als eine sehr kreative Arbeit. Das ist für mich wie ein Bild zu malen oder ein Baumhaus zu bauen.</p>



<p>Der zweite Bereich hat eher etwas mit meinem kirchengemeindlichen Engagement der vergangenen 40 Jahre zu tun. Da geht es um die direkte Mensch-zu-Mensch-Interaktion. Dabei trifft man auf ein Sammelsurium an Sorgen, aber auch auf das Potenzial, damit umzugehen und etwas Erfreuliches daraus zu machen. Diese Sorgen zu bewältigen, helfen, neue Quellen der Freude zu identifizieren und daraus Kraft zu schöpfen. Über allem steht für mich die Liebe Gottes. Das ist ein universeller Begriff, in den ich mich fallen lassen kann, wo ich mich bei etwas Allmächtigem zu Hause fühlen darf. Aktuell ist der dritte Bereich so etwas wie mein Lebensmotto: “Mit Menschen reden.” Ich stelle mich gesellschaftspolitischen Themen im Sinne meines gleichnamigen <a href="https://ruthardt.de/der-autor/mitmenschenreden/">Magazins</a> oder den Büchern, die ich schreibe. Das ist sehr spannend, weil ich dabei ganz viel dazu lerne und auf inspirierende Menschen treffe.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><b><strong>Gab es eine Art Startschuss, einen Moment, an den Sie sich erinnern können, an dem Sie Ihr Leben in die eigene Hand genommen haben?</strong></b></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Ich<strong> </strong>habe meinem Hauptschullehrer sehr viel zu verdanken. Er hat es geschafft, uns Kindern das vielseitige Leben nahezubringen und den Fakt, dass wir uns mittendrin befinden. Im Geschichtsunterricht hat er uns den Fenstersturz in Prag so lebendig geschildert, dass sich die Erinnerung daran anfühlt, als ob wir dabei gewesen wären. Oder seine Reiseberichte, die er uns im Erdkundeunterricht vorgetragen hat. In seinen Erzählungen hat er uns Kids auf die Philippinen mitgenommen und uns dort in den Tropen in einen Einbaum gesetzt, um das Land zu erforschen. Er hat uns vermittelt, dass wir als “einfache” Hauptschüler zu so vielem fähig sind. Wir haben zum Beispiel ein Theaterstück von 60 Minuten in schwäbischer Mundart aufgeführt. Da sind wir als Klassengemeinschaft über uns hinausgewachsen. Ich könnte das Stück heute immer noch nahezu auswendig vortragen. Damals mag ich so 14 Jahre alt gewesen sein.&nbsp;</p>



<p>Das war die erste wirkmächtige Begegnung mit einem Menschen, der mir ganz persönlich etwas zugetraut und mir ein „Hallo wach!“ zugerufen hat.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/Ralf-M-Ruthardt-_-Profilbild-2024-04-2-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-9518" srcset="https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/Ralf-M-Ruthardt-_-Profilbild-2024-04-2-1024x768.jpg 1024w, https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/Ralf-M-Ruthardt-_-Profilbild-2024-04-2-300x225.jpg 300w, https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/Ralf-M-Ruthardt-_-Profilbild-2024-04-2-768x576.jpg 768w, https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/Ralf-M-Ruthardt-_-Profilbild-2024-04-2-1536x1152.jpg 1536w, https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/Ralf-M-Ruthardt-_-Profilbild-2024-04-2-2048x1536.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading"><b><strong>Gab es noch andere Menschen, die Sie auf Ihrem Weg geprägt oder unterstützt haben?</strong></b></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Das war geradezu eine Serie. Nur ein paar Beispiele: Ich habe damals bei HEWLETT-PACKARD eine Ausbildung gemacht und dort etwas gelernt, das sich bis heute fortsetzt: Jemandem eine Verantwortung zu übertragen, bedeutet auch, Gestaltungsspielraum (Kompetenz) zu geben.&nbsp;</p>



<p>Für mich war es damals ein Paradies. Als Auszubildender hast du dann deine eigenen Projekte gehabt. Damals ging es beispielsweise um die erste Digitalisierung im Sinne digitaler Archive &#8211;&nbsp; das war damals ganz neu, heute würde man darüber lächeln. Da hat es geheißen: Hier ist dein Geschäftswagen, hier die Liste deiner Ansprechpartner, dort dein Notebook &#8211; und jetzt hast du drei Monate Zeit: Mach was draus! Dann habe ich als junger Mann daran gearbeitet und es war ein Erfolg. Das hat mir natürlich viel Selbstbewusstsein gegeben. Ich wurde dort auf Augenhöhe behandelt, obwohl ich damals gerade mal 18 Jahre alt war.</p>



<p>Als ich mich dann selbstständig machte, hatte ich einen erfahrenen und mir wohlgesonnenen Geschäftspartner. Der hat mir meinen selbst entworfenen Briefbogen mit den Worten zerrissen: “Das sieht nach gar nichts aus. Mach es richtig oder lass es bleiben.” Da saß ich da, mit meinem mageren 400 D-Mark Startkapital, musste neugestaltete Briefbögen drucken &#8211; und nach einem Jahr hatte ich eine Million D-Mark Auftragseingang in den Büchern stehen. Einen wesentlichen Teil meines Erfolgs habe ich diesem Geschäftspartner und seiner ehrlichen Rückmeldung zu verdanken. Es ist wirklich ein Segen, eine große Hilfe und Bereicherung, wenn einem im Leben Menschen begegnen, die einen guten Willen haben. Dafür bin ich sehr dankbar.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><b><strong>Würden Sie sagen, so eine Unterstützung ist wesentlich – oder kann ich, was ich mir vornehme, auch alleine und mit reiner Willenskraft bewerkstelligen?</strong></b></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Die Frage ist, wo die Willenskraft herkommt. Wir können bei beruflich erfolgreichen Menschen sehen, dass – neben persönlichen Eigenschaften, wie Extrovertiertheit, Erfolgsstreben, Selbstbewusstsein &#8211; das soziale Umfeld immens prägend für die persönliche und berufliche Entwicklung ist.</p>



<p>Ich bin mir jedenfalls sicher, wir brauchen den Anderen: Ein inspirierendes Gegenüber, das einen auch mal operativ an die Hand nimmt und ein Stück des Lebenswegs begleitet, bis man eine gewisse Selbstständigkeit erreicht hat. Später kann man dann wiederum selbst jemand sein, der anderen mit gutem Willen, frischen Ideen und Ehrlichkeit begegnet und eine ausgestreckte Hand reicht. Man sollte dabei ergebnisoffen bleiben, ob der andere die Hand ergreift.</p>



<p>Sicher hat einen starken Einfluss auf Erfolg auch, mit wie viel Angst Menschen durchs Leben gehen und wodurch sie in ihren Ausdrucksmöglichkeit begrenzt sind. Das kann natürlich auch negativ von anderen Menschen eingetrichtert werden. So viele haben Ängste: Angst vor der Armut, vor dem Scheitern, vor dem Sterben. Ich kann das nur schwer nachvollziehen. Mir geht es nicht so.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><b><strong>Ihnen scheint es insgesamt sehr um Ihre Mitmenschen und um Menschlichkeit insgesamt zu gehen.</strong></b></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Wir<strong> </strong>unterliegen im Kapitalismus natürlich der Gefahr, dass wir unseren Nächsten und uns schlussendlich als Produktivitätsfaktoren und Konsumenten sehen. Aber Menschsein ist viel mehr, als nur diesen Parametern gerecht zu werden. Natürlich hat das Materielle seinen Platz und seine Wichtigkeit. Aber zunächst zählen die wesentlichen Fragen, die man sich stellen darf: Was habe ich als Lebensziel? Was macht mich in meiner Persönlichkeit aus? Manche definieren ihr Selbstwertgefühl oder gar ihre Identität nur über diese äußeren Statussymbole wie ein tolles Auto oder eine große Wohnung. Aber ich glaube, eine viel stärkere und mächtigere Definition kann darin liegen, was man selber in der Lage ist, an Werten zu schöpfen. Und zwar nicht nur für sich selbst, sondern für seine Community, für die Gesellschaft als solches.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><b><strong>Was sind wesentliche Fähigkeiten, die man braucht, um Projekte umzusetzen, um in die Tatkraft und Umsetzung zu kommen?</strong></b></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Aus meiner Sicht sind es exakt<strong> </strong>vier Dinge. Die Selbstreflexion nenne ich bewusst als Erstes, weil es immer hilfreich ist, sich ein Stück weit in Frage zu stellen. Wenn etwas nicht funktioniert, wie du es willst, dann fang mit der Ursachenforschung erstmal bei dir selbst an. Das Zweite ist ein übergeordnetes Ziel: Eine Antwort auf die Frage, was möchte ich eigentlich erreichen? Die Wörter Vision und Mission kommen gerne so marketingmäßig oder pathetisch daher, aber das braucht es gar nicht zu sein. Zum Beispiel gehen Menschen, für die ein wichtiger Parameter ist, dass sie sich in einer Gemeinschaft wohlfühlen und engagieren, in den Fußballverein oder in den Betriebsrat. Oder es sind in der Familie diejenigen, die dafür sorgen, dass Jung und Alt zusammenkommen. Da werden Termine koordiniert, Einladungen ausgesprochen und den Veranstaltungen Herz und Sinn gegeben.</p>



<p>Das Dritte ist: Innovation, Ideen und kreative Kraft. Das Streben nach etwas Neuem. Nicht im Sinne von noch ein paar Schuhen oder ein neues Poloshirt im Schrank, sondern neu im Sinne von: So noch nicht erlebt. Es ist total cool, was wir als Menschen alles hinkriegen! Ich komme aus einer Zeit, da hatte ein Telefon noch eine Schnur und eine Wählscheibe.&nbsp;</p>



<p>Viertens glaube ich, dass es uns als Menschen guttut, wenn wir uns in einen größeren Kontext einordnen. Wenn wir unser Bewusstsein dafür schärfen, dass wir eigentlich nur eine Ameise in einem Ameisenhaufen sind. Über den Hektar hinaus, den wir überblicken, gibt es noch so viel mehr, von dem wir keinen Schimmer haben. Das macht uns demütig.&nbsp;</p>



<p>Also, lass es zusätzlich noch etwas Großes geben, das mich als kleinen Menschen lieb hat und okay findet. Wo ich mich mal ausheulen kann. Das geht natürlich auch mit anderen Menschen, was schön ist, aber ich spreche von einem inneren Momentum; von etwas Allmächtigem. Kein Diktator, sondern eine liebende Größe, in die ich mich auch als Erwachsener immer wieder für Momente fallen lassen kann. Das sind Zeiträume, wo ich &#8211; gleich einer Meditation &#8211; zur inneren Ruhe komme. Ich erlebe das im sakralen Kontext im Gottesdienst. Was für mich Kirchenmusik ist, kann für andere vielleicht der Sport oder der Hip-Hop sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><b><strong>Können Sie es konkreter beschreiben: Wenn Sie ein Projekt umsetzen: Welchen Plan machen Sie sich? Wie gehen Sie vor?</strong></b></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Wenn wir auf meine Neugründungen von Unternehmen blicken, geht das eigentlich immer den gleichen Weg. Mir kommen innovative Ideen &#8211; das kann des Nachts oder beim Duschen sein. Dann setze ich mich an den Rechner, fasse Konzepte und überlege, zu welchen Mehrwerten meine Ideen führen können. Dann baue ich mir ein Team von Leuten auf, die all das können, was ich nicht kann und das ist ziemlich viel. Dort arbeite ich nach den vorher genannten Prinzipien: Verantwortung in Verbindung mit Kompetenz. Ich bin nicht derjenige, der sagt: Genau so muss es werden! Dann bräuchte ich den Anderen ja gar nicht fragen. Es geht darum, miteinander etwas Relevantes zu schaffen.&nbsp;</p>



<p>Es geht mir in meiner Arbeit darum, Menschen um mich zu scharen, die bereit sind, meine Vision zu teilen. Das Team muss Interesse, Motivation und Freude am Schöpferischen haben. Dadurch kommt ein Spirit zustande, in dem es sich sehr gut arbeiten lässt. Und dann versuche ich, als Gleicher unter Gleichen zu agieren. Ich habe über viele Jahre nie einen eigenen Schreibtisch gehabt. Ich setzte mich dorthin, wo gerade Platz war und eine Zusammenarbeit anstand.</p>



<p>Und dann geht es um die besagte Selbstreflexion – sich selbst in Frage stellen. Nicht im Sinne eines nagenden Selbstzweifels. Ist das, was wir tun, wertschöpfend? Wo haben wir Fehlerquellen? Was sind die Features, die so nicht funktionieren können oder beim Kunden keinen Anklang finden? So gibt es auch manchmal einen Seit- oder Rückwärtsschritt, &#8211; aber schlussendlich findet eine innovative Idee ihren Weg in die Umsetzung. Für diese Art von Arbeit braucht es Menschen im Team, die eine mentale Kraft haben. Menschen, die nach vorne drängen und nicht einfach nur etwas abarbeiten wollen. Und jene, die in der Lage sind, einen solchen Spirit zu verstärken. Soziologisch betrachtet, brauche ich also eher Leader als Mitläufer. Deswegen sind Leute aus meinen damaligen Teams zwischenzeitlich in anderen Kontexten Verantwortungsträger oder in leitender Funktion.&nbsp;</p>



<p>Eine meiner Restriktionen führt dazu, dass ich mehr als etwa 50 Leute als Geschäftsführer nicht mehr führen kann. Ich gebe dann viel ab. Ich fühle mich vor allem zuständig für das Generieren dieser Innovationen, an der wir dann als Team arbeiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><b><strong>Welche Auswirkungen hat Ihre Arbeit? Welche gesellschaftliche Verantwortung verspüren Sie als Unternehmer?</strong></b></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Lassen Sie mich das an<strong> </strong>drei Beispielen festmachen. Ich komme aus der Prozessautomatisierung; vor allem im kaufmännischen Kontext. Viele meiner Ideen werden heute noch in den Unternehmen so praktiziert. Das mag arrogant klingen, aber wenn sie heute eine Überweisung für eine Reparaturrechnung an ihrem Auto tätigen und im Autohaus keiner mehr sitzen muss, um die Überweisung händisch zu buchen, dann hat das am langen Ende auch irgendetwas mit mir zu tun. Um das Jahr 1994 war es meine erste Innovation: die automatische Kontoauszugsbuchung. Voilà, diese sichtbare Wirksamkeit gibt mir eine große Zufriedenheit.&nbsp;</p>



<p>Außerdem durfte ich mich in humanitären Projekten in Afrika einbringen. Zu erleben, wie es den Menschen vor Ort wirklich hilft, macht mich dankbar.</p>



<p>Das dritte ist noch ein recht junges Thema. Ich bin der Typ der losflitzt, wenn irgendwo ein Reissack umfällt. Und aktuell sind in Deutschland viele Reissäcke umgefallen. Wir sind in einer weitgehend polarisierten Gesellschaft angelangt. Wir haben viele Leute in Positionen, wo sie eigentlich die Chance auf eine hohe Wirksamkeit haben, sich aber &#8211; verdammt noch mal &#8211; vor allem um sich selber kümmern. Sie sind ihr eigener homo oeconomicus. Ihr Wirken nach außen ist oft nur noch Show.</p>



<p>Ich sehe ähnliche Probleme bei den Kirchen, den NGOs und in vielen Institutionen: Da sind Menschen, die zum Dienst an der Gemeinschaft berufen sind. Sie haben sich in ein Parlament wählen lassen. Sie bekleiden ein Regierungs- oder ein öffentliches Amt. Und doch lassen sie die Ehrlichkeit vermissen. Sich als Beamter tatsächlich als Staatsdiener zu verstehen, ist zu oft von der opportunistischen Haltung abgelöst worden: Man nimmt mit, was man mitnehmen kann. Und das womöglich mit dem plumpen Argument, Andere würden es auch tun.</p>



<p>Mein Eindruck ist, dass wir uns in unserem Wohlstand dermaßen vergaloppiert haben, dass wir uns aktuell aussuchen können, ob uns unser Gemeinwesen zuerst wirtschaftlich oder durch geostrategische Konflikte um die Ohren fliegt. In 2025 sind in allen Gesellschaftsbereichen zu viele Menschen damit beschäftigt, sich entweder ins Private zurückzuziehen und den Kopf in den Sand zu stecken, oder eben innerhalb des Systems für sich das Beste herauszuholen. Egal, wo ich hingucke: Ich erlebe sehr wenig Gemeinsinn. Nicht, dass es den nicht mehr gibt, aber er ist so dünn geworden, dass unser gesellschaftliches System zu bröckeln beginnt. &#8211; Es braucht mehr Leute, die Reissäcke aufheben!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/RR-Autor_Profilbild-2-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-9519" srcset="https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/RR-Autor_Profilbild-2-1024x683.jpg 1024w, https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/RR-Autor_Profilbild-2-300x200.jpg 300w, https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/RR-Autor_Profilbild-2-768x512.jpg 768w, https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/RR-Autor_Profilbild-2-1536x1024.jpg 1536w, https://laurensdillmann.de/wp-content/uploads/2025/08/RR-Autor_Profilbild-2-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading"><b><strong>Was ist Ihr Blick auf Deutschland? Was macht Ihnen Sorgen und was gibt Ihnen Hoffnung?</strong></b></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Wer<strong> </strong>meinen Roman „Das laute Schweigen des Max Grund“ gelesen hat, der merkt, wie unsicher ich mir bei der Analyse unserer gesellschaftspolitischen Situation bin. Es gibt definitiv beunruhigende Tendenzen und diverse Schieflagen, aber ich finde auch immer wieder Argumente, die das Vorherige widerlegen und halte mich ungern an der Formulierung fixer Statements auf. Alleine die Fähigkeit zur Hoffnung macht mir Hoffnung. Weil daraus Kraft, Engagement und Tatkraft abgerufen werden können. Jetzt ist nur die Frage: Woher soll diese Hoffnung kommen? Früher kam sie in der Regel aus einem religiösen Kontext, aber dieser ist nicht mehr besonders populär.</p>



<p>Ich glaube, dass wir heute die Chance haben, rational viel zu erfassen &#8211; auch über das, was aktuell gesellschaftlich, psychologisch und soziologisch passiert. Aber natürlich sind wir auch ständig von Medien umgeben, die uns mit Narrativen und den Methoden des Framings beschallen. Auffällig ist, dass ein Abweichen von einem eher linken Meinungsbild reflexhaft mit Kampfbegriffen wie „Rechtsextrem“ belegt, bzw. man damit gebrandmarkt wird, man würde sich dem „Engagement gegen Rechts“ verweigern.</p>



<p>Als Gesellschaft müssen wir uns von diesem pauschalierten “Bullshit” frei machen. Es geht darum, dass wir uns unseres eigenen Einflusses und der Macht unserer Worte und Taten wieder bewusst werden. Wir lassen uns das Leben von Leuten vorschreiben, die selbst nur wenig hinbekommen oder nie wirklich an den “Werkbänken” gestanden haben.&nbsp;</p>



<p>Wir sollten uns an den Menschen orientieren, die im Leben etwas Konstruktives hinbekommen haben! Aber wo sind die im Diskurs? Die wenigsten wollen sich kritisch positionieren, stattdessen hissen sie bunte Flaggen, gendern in den Betriebsvereinbarungen und geben sich angepasst. Aber führt uns das als Gesellschaft wirklich voran? Ich bezweifle es. Wir verschließen uns mit vollen Bäuchen der Vernunft, der Logik und den Argumenten.&nbsp;</p>



<p>Deswegen plädiere ich: Wir sollten einander mehr wohlgesonnen sein. Wir sollten mehr aufeinander zugehen und den anderen verstehen wollen. Wir dürfen den Perspektivenwechsel als Lösungsansatz begreifen.&nbsp;Wir sind zu sehr an den Polen unterwegs &#8211; Recht zu haben und auf die andere Seite rüber zu brüllen. Aber so funktioniert Gemeinwesen nicht.&nbsp;</p>



<p>Die Politik wird uns dort offensichtlich nicht herausführen können. Die Medien vielleicht schon, aber erst dann, wenn andere Menschen in den Redaktionsstuben sitzen. Momentan schaut man zu sehr darauf, wie hoch die Einschaltquoten, die Klicks oder der Umsatz sind. Das führt nicht zu einem fruchtbaren Diskurs. Diese Dynamik der unvernünftigen Narrative, die das eigene, unabhängige Denken und einen gesellschaftlichen Zusammenhalt behindern, wird durch die Massenmedien verstärkt. Wenn wir das als Gesellschaft begriffen haben, dann kann es auch wieder vorwärts gehen. Durch das Schaffen realer Werte. Das meine ich nicht nur materiell, sondern auch im Sinne eines wohlwollenden Gemeinschaftsgefühls. Wir können uns wieder auf das Gemeinwesen besinnen. Dass das funktionieren kann, hat sich vor allem in der Nachkriegsentwicklung schon mal gezeigt. Bei all den Rückschlägen, die es im Leben nun mal gibt, können wir aufeinander zugehen und gemeinsam etwas aufbauen. Also, das kriegen wir als Menschen schon hin, wenn wir denn wollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><b><strong>Welche „unvernünftigen Narrative“ meinen Sie konkret?</strong></b></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Gehen wir beispielsweise in eine Talkshow. Dort könnte diese Frage aufgeworfen werden:&nbsp; „Sie wollen doch nicht, dass jemand im Mittelmeer ertrinkt!“ Das stimmt. Ruthardt möchte nicht, dass jemand im Mittelmeer ertrinkt. Aber ich bin auch nicht für jeden zuständig, der sich über das Mittelmeer auf den Weg nach Europa macht. Für so eine Aussage können Sie heute in Deutschland verbal geköpft werden. Aber der Satz ist per se &#8211; Widerspruch ist willkommen &#8211; vernünftig. Weil es tatsächlich so ist, dass ich mit meinen Handlungsmöglichkeiten nicht für jedes erdenkliche Einzelschicksal zuständig sein kann. Dafür gibt es einfach zu viele davon. Die Frage ist doch stattdessen, welche Kraft, welche Potenziale und Möglichkeiten habe ich, um anderen Menschen eine Hilfe zu sein?&nbsp;</p>



<p>Ich erlebe aber, dass die, die große Aufforderungen aussprechen, oft nicht in der Economy fliegen, sondern in der Business-Class. Der alte Sinnspruch: Wasser predigen, Wein trinken.</p>



<p>Ein zweites bedenkliches Beispiel: Wir reden so viel von gesellschaftlichem Engagement und von Solidarität. Bei genauerer Betrachtung individualisieren wir uns doch sehr und vereinsamen immer mehr. Wir und unser Smartphone. Das Erleben von etwas Kollektivem wird über die Eintrittskarte für 78 € bei einem Konzert ausgelagert. Das mit den Nachbarn auf der Garageneinfahrt sitzen und den Kindern beim Spielen zuzuschauen – dieses alltägliche Gemeinsame – geht immer mehr verloren.&nbsp;</p>



<p>In meiner Kindheit war es so: Wenn es dem Nachbarn Hans, der einen Stall voll Hasen hatte, ins frisch gemähte Heu reingeregnet hat, dann haben wir Kinder die Heugabeln geholt und sein Heu ins Trockene gebracht. Der Hans konnte in der Schicht beim Daimler sein und wusste, es würde sich jemand kümmern. Da musste keiner etwas sagen. Das ist von alleine gelaufen und wurde von uns Kindern nachgeahmt, weil es die Erwachsenen vorgelebt haben: Ein Wir-Gefühl. Heutzutage hat man Schwierigkeiten, so etwas noch zu erleben, weil vieles delegiert wurde. Für dieses und jenes ist dann entweder das Rathaus, das Amt, der Politiker oder die Kirche zuständig – aber wo bin ich als Einzelner? Wo ist der Platz für Engagement in meinem Lebensalltag?</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Worum geht es Ihnen heute im Leben? Haben sich Ihre Werte im Laufe Ihrer Karriere verändert?</strong></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Es gab bei mir natürlich auch die Phase, als ich total stolz war, dass ich einen fetten 7er BMW vor der Haustür stehen hatte. Als einfaches Arbeiterkind ist das natürlich eine Verführung. Ich will jetzt gar nicht über meine Eitelkeiten reden, die mein soziales Umfeld früher zu spüren bekommen hat. Wir sind ja als Menschen in einer Entwicklung und sollten uns ihr auch stellen. Deswegen ist es gut, wenn man ein Korrektiv hat. Für mich ist das unter anderem mein Glaube. Ich finde Jesus hat so etwas nahbares. Ja, die Berichte und Gleichnisse in den Evangelien sind aus einer anderen Zeit. Und trotzdem: darin liegt so viel Ermahnung und Ermutigung, was einen positiven Einfluss auf uns Menschen haben kann.<br><br>Etwas, das ich wirklich lernen musste: In mir steckt ja so ein halber “Kommunist”. Na ja, heute vielleicht noch ein Zehntel von einem “Kommunisten”. Wo Menschen aus eigener Tatkraft oder durch ein Erbe zu hohem Vermögen gekommen und nicht bereit sind, davon der Gesellschaft anteilig wieder etwas zur Verfügung zu stellen &#8211; da habe ich echt den kleinen Enteigner in mir. Weil ich denke: Leute, wo ist der Funken Demut? Nun, auf der anderen Seite habe ich mittlerweile viel mehr Sorge vor Menschen, die nichts hingekriegt haben, die Umverteilung predigen und selber gerne davon partizipieren wollen. Ja, das bringt halt ein Gemeinwesen nun mal so gar nicht voran. Der Sozialismus hat wirklich um den Globus herum bewiesen, dass er am Ende den Leuten nicht mehr Wohl ins Leben bringt, sondern mehr Weh.</p>



<p>Zurück zu meinen Lernkurven. Als ich so Anfang 40 war, habe ich für mich zum ersten Mal realisiert, wie schön eine gewisse Genügsamkeit sein kann. Irgendwann ist auch mal genug. Es muss Materielles nicht ständig vermehrt werden. Ein größeres Haus und ein Boot und so weiter. Macht das wirklich immer Sinn? Wozu mir all diese Belanglosigkeiten anschauen, wenn ich den Fernseher anschalte? Wäre es nicht schöner, stattdessen unter einem blühenden Apfelbaum zu liegen? Genügsamkeit und Demut. Sich nicht noch mehr abverlangen, als das, wozu man im Stande ist. Es führt am Ende zu einer großen Zufriedenheit. Diese kann einen dann auch heil durch Lebenskrisen bringen. Nicht unbeschadet, aber im Sinne davon, dass die Seele heil bleibt.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was würden Sie einem Menschen raten, der den ersten Schritt noch vor sich hat?</strong></h3>



<p><strong>Ralf M. Ruthardt: </strong>Besinne dich auf deine Stärken und hole dir Freunde für das, was du nicht kannst, aber was es auch zu tun gilt. Leistung besteht nicht darin, den Medicis des 14. Jahrhunderts oder heutzutage einem Elon Musk nachzueifern. Es geht um das Erkennen, woran man seine Freude hat und wie sich diese Freude teilen lässt. Das kann auch die Kunst oder ein sozialer Beruf sein. Einfach etwas, das einen antreibt und anderen keinen Schaden bringt. Das muss nicht immer zu großem Entgelt oder Vermögen führen. Es muss nicht immer etwas sein, das die Eitelkeit befriedigt. Denn, wenn es einem wirklich Freude macht, wird es auch anderen Menschen auffallen. Und: Ich finde es wichtig, regelmäßig Gespräche wie diese zu führen. Das führt bestenfalls zu neuen Perspektiven.</p>



<p><i>Foto-Credit: Ralf Ruthardt</i></p>



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<p>Der Beitrag <a href="https://laurensdillmann.de/wenn-das-gemeinwesen-brockelt-der-unternehmer-und-autor-ralf-m-ruthardt-uber-das-leise-verschwinden-des-gesellschaftlichen-wir-gefuhls/">Wenn das Gemeinwesen bröckelt – der Unternehmer und Autor Ralf M. Ruthardt über das leise Verschwinden des gesellschaftlichen Wir-Gefühls</a> erschien zuerst auf <a href="https://laurensdillmann.de">Laurens Dillmann</a>.</p>
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		<title>Wirklich Erwachsen werden – mit Psychologe und Körperpsychotherapeut Philipp Alsleben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laurens Dillmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jan 2025 20:58:39 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[corona]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Gesundheit ist die Übereinstimmung mit dem eigenen Wesen. Du kannst also durchaus mit Triefnase, Bauchschmerzen oder einem Hinkefuß vollkommen gesund sein, solange du mit deinem Wesen in Übereinstimmung bist. Du musst dein eigenes Wesen kennen, um zu wissen, ob etwas gesund für dich ist oder nicht. Diese Überprüfung führen allerdings die wenigsten durch.&#8220; Philipp Alsleben [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://laurensdillmann.de/wirklich-erwachsen-werden-mit-psychologe-und-koerperpsychotherapeut-philipp-alsleben/">Wirklich Erwachsen werden – mit Psychologe und Körperpsychotherapeut Philipp Alsleben</a> erschien zuerst auf <a href="https://laurensdillmann.de">Laurens Dillmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-5904 size-full" src="http://p000341693.pwhost.de/wp-content/uploads/2025/02/neumitlogo.jpg" alt="" width="1000" height="563" /></p>
<blockquote><p><span style="font-weight: 400;">„Gesundheit ist die Übereinstimmung mit dem eigenen Wesen. Du kannst also durchaus mit Triefnase, Bauchschmerzen oder einem Hinkefuß vollkommen gesund sein, solange du mit deinem Wesen in Übereinstimmung bist. Du musst dein eigenes Wesen kennen, um zu wissen, ob etwas gesund für dich ist oder nicht. Diese Überprüfung führen allerdings die wenigsten durch.&#8220;</span></p></blockquote>
<hr />
<h3><b>Philipp Alsleben</b></h3>
<p>Der Heilpraktiker für Psychotherapie ist studierter Psychologe. Er absolvierte eine Grundausbildung in Bodynamic-Körperpsychotherapie, entwickelte die Systematik „Catlike“ für Therapie und Bewusstseinsentwicklung und bietet Gruppenangebote sowie eine Ausbildung für Prozessbegleiter an.<br />
<a href="https://www.catlike.de/" target="_blank" rel="noopener">www.catlike.de</a></p>
<hr />
<p><b>Für meine Interviewreihe „<a href="http://p000341693.pwhost.de/machsweg/">Mach’s weg</a>“ habe ich Interviews aus verschiedensten Perspektiven über die Corona-Krise, den Graben zwischen “Alternativ-” und Schulmedizin, und über eines der wichtigsten Themen im Leben geführt: Gesundheit. </b><b></b><b>Aber was ist das überhaupt? Lassen sich Krankheiten und ihre Symptome einfach „weg machen“? Wieso kümmern sich Menschen umeinander? Und wie sähe ein Gesundheitssystem aus, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt?</b></p>
<p><strong>Die gesammelten &#8222;Mach’s weg“-Interviews sind <a href="https://eticamedia.eu/produkt/machs-weg/" target="_blank" rel="noopener">hier als Buch zu bestellen</a>.</strong></p>
<hr />
<p><i>Das Interview wurde im Dezember 2024 in Ettenheim geführt</i></p>
<h3><b>Laurens Dillmann: Was tust du in deiner Arbeit?</b></h3>
<p><b>Philipp Alsleben: </b>Ich helfe Menschen, erwachsen zu werden. Das heißt, zunächst helfe ich ihnen, überhaupt erstmal dieses Anliegen wahrzunehmen, erwachsen werden zu wollen. Menschen kommen anfangs meist mit Störungen, Problemen, Konflikten, Schwierigkeiten, Hürden, Hindernissen und Unzufriedenheiten. Mein Job besteht zunächst darin, sie darauf aufmerksam zu machen, dass die Symptome, mit denen sie kommen, auf eine sehr grundsätzliche Unstimmigkeit in ihrem Leben hinweisen und bloße Oberflächenkräuselungen sein könnten. Gemeint sind ein tiefliegender Selbstbetrug, eine grundsätzliche Verirrung im eigenen Leben und ein Mangel an Mündigkeit und Selbstbestimmung, die sich durch zunehmende Symptome und Unzufriedenheiten bemerkbar machen, ihnen aber kaum oder gar nicht bewusst sind.</p>
<p>Das ist der erste Schritt. Er besteht darin, sich der eigenen Haltung und Reife dem Leben gegenüber existenziell bewusst zu werden. Und sich dann in vollem Umfang der Frage zu stellen, wie man stattdessen sein könnte und eigentlich sein wollte. So eine Konfrontation kann ein paar Jahre dauern, bis ein ernster Veränderungs- und Entwicklungs-Wille entsteht. Es geht dann nicht mehr darum, Symptome weg zu machen oder Konflikte zu beseitigen, um dann wieder gemäß der bisherigen Maßstäbe und Normen zu funktionieren, sondern genau diese zu hinterfragen, um dann neue Fragen danach zu stellen, was wir wirklich im Leben wollen und suchen und was uns erfüllt und Sinn gibt.</p>
<p>Die Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach dem eigenen Selbst, nach Wahrheit und Authentizität, nach Einzigartigkeit, nach vollständigem Erwachsenwerden – das sind alles Fragen, die die meisten Menschen in unserer Gesellschaft in ihrer Teenagerzeit einmal ansatzweise gestellt haben, um sie dann für den Rest ihres Lebens vollständig aufzugeben. Wer sich diese Fragen nicht stellt, kann aber nicht wirklich erwachsen werden und übernimmt lediglich die schematischen Vorstellungen und Vorgaben seines sozialen Umfeldes und der Gesellschaft. Dieses Mitmachen beim So-tun-als-ob mag den äußeren Anschein von Erwachsensein erzeugen und die meisten begnügen sich gezwungenermaßen damit. Sie entfernen sich dabei jedoch in ihren Vorstellungen und Entscheidungen immer weiter von sich selbst und sinken in die chronische Unzufriedenheit hinab, ohne sich je zu fragen, woran das liegt.</p>
<p>Erst wenn wir diese Fragen mit voller Ernsthaftigkeit stellen, kann der eigentliche Prozess des Erwachsenwerdens beginnen, und der besteht letztlich darin, an diesen Fragen mental und emotional zu wachsen, um über sie hinauszukommen. Es geht nicht um bestimmte Antworten, sondern darum, durch diese Fragen das eigenständige Denken zu initiieren, aus dem Zustand des Glaubens und Nachplapperns heraus zu wachsen – ihm zu entwachsen.</p>
<h3><b>Woher kommt deine Fähigkeit, das so klar zu sehen und zu benennen?</b></h3>
<p>Woran erkennt einer, der Abitur hat, einen Grundschüler? Wenn du die Pubertät hinter dir hast, ist das offensichtlich – aus dem Zustand des Erwachsenseins. Wenn das keine reine Theorie mehr ist, kein bloßes Konzept mehr, sondern eigene Erfahrung und Wissen, dann beginnt man sich an universell gültigen Prinzipien und Naturgesetzen auszurichten, die man im Bewusstseinszustand des Erwachsenseins unmittelbar wahrnehmen kann, so wie man sich als Kleinkind beim Laufenlernen an der Schwerkraft ausgerichtet hat.</p>
<p>Zum Beispiel gibt es das Gesetz der vorausgehenden Investition: Man bekommt etwas Neues oder Besseres nur in dem Maße, in dem man dafür <i>im Voraus</i> investiert, einen Einsatz gebracht oder sich angestrengt, also etwas von sich gegeben hat. Wenn man etwas ohne Vorleistung zu bekommen versucht, dann bekommt man etwas Minderwertiges, das man im Nachgang teuer bezahlen muss. Man wird quasi betrogen. Was man sich nicht erkämpft oder erarbeitet hat, das besitzt man psychisch nicht wirklich, das kann man sich nicht zu eigen machen. Es führt nicht zu einer echten inneren Veränderung oder Entwicklung, sondern in den Verfall. Die Missachtung dieses Prinzips ist der Hauptfaktor für die unermessliche Menge an Leid und Drangsal, die für die Menschen normal ist.</p>
<h3><b>Was ist Erwachsenwerden?</b></h3>
<p>Zunächst einmal ein Schritt des Aussteigens. Aussteigen aus den Schemata, den Anforderungen und Anpassungen an das, was uns innerhalb der Kontexte, in denen wir leben, vorgegeben wird. Die meisten Menschen haben gelernt, Erwachsensein als soziale Ein- und Anpassung zu betrachten. Sie benutzen gewisse Schablonenbegriffe  wie Selbstbestimmung, Souveränität, Selbstvertrauen, Selbstwertschätzung usw. Wir beginnen diese Begriffe aber erst dann wirklich zu verstehen, wenn wir psychisch voll erwachsen und mental eigenständig sind. Es geht nicht darum, sich diese oder jene Fähigkeit anzueignen, die einen dann erwachsen macht. Es ist genau umgekehrt: Wenn du erwachsen wirst, sind diese Eigenschaften und Fähigkeiten im Paket inbegriffen – du bekommst sie automatisch dazu.</p>
<h3><b>Zum Beispiel?</b></h3>
<p>Zum Beispiel <i>Verantwortungsfähigkeit</i>. Für die kindliche Psyche ist der Begriff „Verantwortung“ voller Ambivalenzen und Widersprüche. Sie kann nur als eine Mischung aus persönlicher Identifikation, Pflichtgefühl und sozialen Schuldigkeiten verstanden werden. Aber Verantwortung ist etwas ganz anderes. Sie bezeichnet den Zustand der Antwort-Fähigkeit im Gegensatz zur reinen Reaktivität oder mechanischen Anwendung von Schemata und Gewohnheiten. Das ist ein anderer Bewusstseinszustand, in dem man sich seiner selbst als Handelnder und Denkender bewusst ist, inklusive absehbarer Folgen und Bezüge zur inneren Werteordnung. Ein anderes Beispiel ist der „freie Wille“. Die Leute diskutieren seit Jahrhunderten darüber, ob es freien Willen gibt oder nicht. Die so schwer findbare Antwort könnte jedoch simpel sein: Für ein Kind nicht, für einen Erwachsenen schon.</p>
<h3><b>Bedeutet Erwachsensein, zur Unbequemlichkeit &#8222;Ja&#8220; zu sagen?</b></h3>
<p>Es bedeutet ein Ja zu allem, was als wirklich und real erkannt wird. Wenn du nach Hause kommst und dein Kühlschrank kaputt ist, ist es sinnlos, das zu verneinen oder mit emotionalen Ausbrüchen zu überlagern. Dein Kühlschrank ist kaputt. Ein reifer Erwachsener sieht die Dinge wie sie sind und nimmt ihnen als Realitäten gegenüber eine Haltung von Zustimmung und Bejahung ein – das gilt in erster Linie für ihn selbst. Etwas Reales auszuschließen oder zu verneinen ist für ihn absurd, weil es irrational ist und ihn seiner Möglichkeiten des Kontaktes mit sich und der Welt beraubt. Die Frage für ihn ist „Wie ist es?“ und nicht „Wie sollte es sein?”.</p>
<p>Erwachsenwerden ist wie eine zweite Geburt. Vor der Geburt hast du keine Vorstellung, wie das Leben danach ist. Kannst du auch nicht, weil du keine Erfahrung hast, um dir das Leben dort draußen auf zwei Beinen in der Welt der Schwerkraft vorzustellen. Genauso ist deine Geburt ins Erwachsenwerden, nur ist es diesmal eine psychische Geburt. Du wechselst die Seinsdimension. Und das hat nichts mit dem zu tun, was du dir vorher vorstellst. Der Fötus sagt auch nicht: „Das klingt aber toll, die Welt da draußen, da muss ich unbedingt hin!“, sondern er verlässt die vertraute, warme, schützende Gebärmutter, weil er das Gefühl hat, sonst von den Wehen zerquetscht zu werden. Er will nicht „raus“, er kann nur bleiben wollen, weil er nichts anderes kennt. Aber er drückt sich dann trotzdem mit aller Kraft ins völlig Unbekannte, weil Bleiben für ihn zu leidvoll, zu gefährlich geworden ist. Genau das brauchen wir, um den Ausgang ins Erwachsensein zu nehmen: Ausreichend viel Leid. Wenn du Glück hast, triffst du jemanden, der dir diesen Weg zeigt.</p>
<p>Jeder Mensch trägt den Keim zum Erwachsenwerden in sich. Was die meisten jedoch lebenslänglich davon abhält, sind psychische Betäubungen und Blockaden. Statt ab dem zwölften Lebensjahr langsam in den natürlichen Prozess des Erwachsenwerdens überzugehen, bleiben die Menschen in ihren Kindheitsprägungen und -programmierungen verbarrikadiert. Und diese Verbarrikadierung besteht aus den psychosomatischen Mechanismen der Angst in Kombination mit irrationalen Glaubensmustern und Überzeugungen über sich selbst und die Welt.</p>
<p>Der chronische Zustand von Angst ist eine Traumareaktion aus einer großen Masse von psychischen Überforderungen und mangelnder Entwicklungsunterstützung – insbesondere Mangel an mentaler und emotionaler Hilfe zum Reifen. Je nachdem, wie früh und wie viel jemand das erlebt hat, hören die Menschen schon mit fünf, mit acht oder – in seltenen Fällen – erst mit zwölf Jahren auf, sich psychisch weiterzuentwickeln. Ihr Körper wird reifer und älter, aber emotional und mental bleiben sie für den Rest ihres Lebens in den Kodierungen verhaftet, die sich bis dahin eingeprägt haben. Es klingt absurd, aber obwohl sie immer mehr darunter leiden, leiden sie doch zu wenig, um einen anderen Kurs einzuschlagen, sich hinzusetzen und einmal ganz grundsätzlich nachzudenken. Ihr Leiden erreicht zu wenig ihr Bewusstsein, daher machen sie nur immer weiter wie sie es als Kind gelernt haben.</p>
<h3><b>Was verstehst du unter Gesundheit?</b></h3>
<p>Was ist gesund? Aus der Sicht eines Kindes heißt das: Funktionieren innerhalb der bekannten Umgebungen und Schemata. Das wird in der Medizin ja auch in etwa so gehandhabt: Du giltst dann als gesund, wenn du so funktionierst, wie das im allgemeinen sozialen Common als Norm definiert ist. Aber ein wirklich erwachsener Mensch sich nicht an äußeren Normen aus, weil er seinen Referenzpunkt in sich selbst trägt.</p>
<p>Als praktische Arbeitsdefinition würde ich sagen: Gesundheit ist die Übereinstimmung mit dem eigenen Wesen. Du kannst also durchaus mit Triefnase, Bauchschmerzen oder einem Hinkefuß vollkommen gesund sein, solange du mit deinem Wesen in Übereinstimmung bist. Gesund ist eine Frage der Übereinstimmung. Du musst dein eigenes Wesen kennen, um zu wissen, ob etwas gesund für dich ist oder nicht. Diese Überprüfung führen die wenigsten durch. Nicht einmal bei dem, was sie essen. Sie würden nicht mal auf die Idee kommen, dass sie den eigentlichen und einzigen Referenzpunkt für Gesundheit und Einklang in sich selbst tragen, weil die kindliche Psyche dadurch definiert ist, dass sie sich primär an Äußerem und an Autoritäten ausrichtet. Sie hat zu wenig Landkarte von sich selbst, um eine eigene innere Orientierung jenseits von körperlichen Bedürfnissen und Reflexen zu haben. Deswegen ist Gesundheit für ein Kind etwas völlig anderes als für einen Erwachsenen.</p>
<p>Aber für die Ausrichtung unseres Gesprächs ist es wahrscheinlich sinnvoller, diesen Punkt im Bezug auf Krankheit zu betrachten: Das, was wir landläufig als Krankheit bezeichnen, ist ein Symptom für den Versuch des Körpers, mit psychischen Konflikten und deren Nachwirkungen fertig zu werden. Also praktischer formuliert: Es ist ein Aufruf, nach „innen“ zu gehen und sich psychisch in Ordnung und das heißt auch, in Einklang mit sich selbst zu bringen.</p>
<p>Nach meiner Erfahrung sind jede Krankheit und auch die meisten Unfälle und Verletzungen psychosomatischer Natur und nur psychosomatisch verständlich und heilbar. Die Psychosomatik ist kein Teilbereich der Medizin, wie es üblicherweise behauptet wird, sondern die Medizin ist bestenfalls ein Teilbereich der Psychosomatik. Aber auch hier liegt der Unterschied im Blickwinkel: Aus der Sicht eines psychischen Kindes wirkt alles Körperliche stets mächtiger und wichtiger als alles Psychische. Ein Erwachsener kann sehen, dass es umgekehrt ist. Gesundheit und Krankheit sind besser verständlich als Aspekte der Beziehung zwischen Innen und Außen, also zwischen Wesen, Wesensausdruck und äußerer Welt.</p>
<h3><b>Was ist dieses innere Wesen, von dem du sprichst?</b></h3>
<p>Das Wesen ist das, was du bist, es ist unabhängig von deinen Entscheidungen und Gewohnheiten. Man könnte sagen: Es ist der Stoff, aus dem du in einmaliger Weise gemacht bist. Die interessantere und wichtigere Frage in Bezug auf ein mögliches Erwachsenwerden ist: Was ist überhaupt „innen“? Oder: <i>Wo</i> ist „innen“?</p>
<p>Für den Menschen im kindlichen Bewusstseinszustand ist „innen“ „irgendwo im Körper“. Dieses fragwürdige Welt- und Menschenbild ist die Grundlage von so gut wie aller heutigen Naturwissenschaft und Medizin, sogar Psychologie und weitestgehend der sogenannten Geisteswissenschaften. Was aber, wenn „innen“ nicht physisch oder physiologisch zu verstehen ist, sondern psychologisch? Dann bedeutet es so viel wie „in den Gefühlen“, „in den Gedanken“, „in der Wahrnehmung“ usw. Ein Mensch hat dann nur so viel Inneres, wie er Bewusstsein für diese psychischen Räume in sich hat. Innen gibt es nur da, wo wir uns selbst wahrnehmen.</p>
<p>Man kann Erwachsenwerden unter diesem Aspekt auch beschreiben als den Übergang von der physischen, körperlichen Orientierung am Außen und an Erfahrungen mit der Außenwelt – also vor allem auch an anderen Menschen und sozialen Gegebenheiten – hin zur Orientierung am Inneren, also an den psychischen Gegebenheiten innerhalb des eigenen Wahrnehmens, Denkens und Fühlens. Dieser Übergang ist die psychische Pubertät: Nicht nur körperliches Erwachsenwerden, so wie die Biologen sie beschreiben, sondern auch mentale und schließlich emotionale Emanzipation von allen Prägungen und Gewohnheiten. Ein Weg zu echter Selbstbestimmung.</p>
<h3><b>Was wäre ein guter Umgang mit Jugendlichen, die in der Pubertät sind?</b></h3>
<p>Im Sinne des bisher Besprochenen bezieht sich diese Frage keineswegs nur auf Jugendliche, sondern auf jeden Menschen, in dem das Potenzial und die Kraft des Erwachsen-werden-Wollens sich bemerkbar machen.</p>
<p>Man braucht allerdings einen bestimmten Hormonhaushalt, um sich durch den engen Geburtskanal der psychischen Geburt zu zwängen, um den Druck und die Widerstände des Prozesses inklusive seiner Schmerzen und Unsicherheiten auszuhalten. Geborenwerden heißt ja nicht nur, in eine bessere neue Welt zu gehen, sondern auch, die altbekannte Welt komplett zurückzulassen! Das ist die vollständige Pubertät: Der Übergang von der Raupe zum Schmetterling.</p>
<p>Dazu gehört die Zeit im Kokon, in der du eigentlich nur ein Haufen Matsch bist, der sich in einer unüberschaubaren, verwirrenden, aufregenden Transformation befindet. Es ist empfehlenswert – wenn nicht sogar notwendig –  sich auch in einem späteren Lebensalter zumindest innerlich in diesen Zustand zurückzuversetzen, wenn man doch noch erwachsen werden will. Das funktioniert natürlich nur für diejenigen, die sich schon eingestanden haben, dass sie es noch nicht sind. Das ist eine Möglichkeit, wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, sich mit der dafür notwendigen rebellischen Kraft zum ultimativen Ausbrechen zu verbinden.</p>
<p>Wenn jemand psychisch erwachsen ist, dann braucht es keinen besonderen Umgang mehr mit einem Kind. Das Kind kriegt in seiner Jugend einfach immer mehr mit, dass es da eine andere Seite gibt und dass die wirklich Erwachsenen dort auf es warten. Wenn alles gut läuft, hat es dafür Zeit vom zwölften bis zum zwanzigsten Lebensjahr und muss seine auftauchenden existenziellen Fragen nicht verstecken, muss keine Ersatzrebellionen starten oder sich irgendeine soziale Nische oder quasi-religiöse Ideologie suchen, durch die es sich einreden kann, ganz anders oder etwas Besonderes zu sein. Es würde dann auch in keiner ausweglosen Sackgasse landen, sondern mentale Autonomie und emotionale Freiheit erlangen, so dass es sich intelligent und freudvoll durch die Realität bewegen kann.</p>
<p>Die Pubertät ist eigentlich ein rein innerlicher Vorgang. Die Raupe zieht sich in sich selbst zurück. Sie fängt nicht an, mit den anderen Raupen oder gar den Schmetterlingen zu streiten oder die Welt zu verändern. Helfen kann bei der Verwandlung, um die es geht, natürlich nur ein Schmetterling. Wenn die Eltern selbst noch Raupen sind, ist das ein gigantischer Abschied, der zunächst unmöglich erscheint – für beide Seiten. Aber er ist möglich, auch wenn die Raupe das nie erkennen wird. Für Raupen-Eltern ist ihr Kind, das im Kokon verschwunden ist oder später zum Schmetterling wurde, unverständlich und unheimlich, vielleicht sogar abartig und völlig fremd. Die kindlichen Strukturen im Kopf vor der Pubertät wollen das verhindern und immer zuhause bleiben. Stell dir eine schwangere Frau vor, die will, dass ihr Kind für immer in ihrem Bauch bleibt. Das würden wir als geisteskrank bezeichnen. Aus der Sicht eines Erwachsenen ist das Verharren in kindlichen psychischen Strukturen nach dem 16. Lebensjahr nichts anderes.</p>
<h3><b>Das klingt wirklich irrational. Aber so erlebe ich mich auch, wenn ich bemerke, dass ich mich manchmal noch wie ein Kind verhalte.</b></h3>
<p>Es mag sein, dass das Leben aus einer kindlichen oder früh-pubertären Perspektive aussieht wie ein ewiges Auf-der-Suche-Sein. Es gibt ja auch Leute, die das als Ideologie vermitteln: Das Leben ist ein ewiges Irren, ein ewiges, romantisches Sehnen und Verzweifeln am Unerreichbaren. Eine emotionale Achterbahnfahrt und ein Stochern im Nebel. Aber das ist nicht der Seinszustand, von dem hier die Rede ist. Es geht darum, unverrückbare, eigene Klarheit zu finden. Die echte Romantik beginnt erst danach. Sie ist nicht unerreichbar an sich, auch wenn sie für viele unerreichbar sein mag.</p>
<p>Natürlich darf jeder seine Meinung haben, Bücher veröffentlichen, Sekten und Glaubensgemeinschaften gründen. Auch das ist nichts anderes als ein großer wirtschaftlicher Marktplatz. Was die göttliche Komödie ausmacht, ist eben der Mensch im chronisch kindlichen Zustand. Sonst wäre es keine Komödie. Eine Welt voller Kinder, die sich ab einem gewissen Alter alle gemeinsam einbilden, sie wären erwachsen, und dabei mit allen Kräften verhindern, es tatsächlich jemals zu werden – dadurch entstehen all die Absurditäten dieser Welt. Der Zustand unserer Gesellschaften auf diesem Planeten lässt darauf schließen, dass der moderne Mensch in einem ausgesprochen frühen kindlichen Alter stecken geblieben ist. Er hat auf weiter Fläche kein Bewusstsein für die Realität, in der er sich bewegt – geschweige denn für sich selbst.</p>
<h3><b>Worin besteht die Motivation, erwachsen werden zu wollen?</b></h3>
<p>Zunächst darin, verstehen zu wollen. Erwachsenes Verstehen bedeutet, dass dein Wissen und deine Erfahrungen sich verbinden. Im besten Fall gibt es äußere Kräfte, die dir dabei helfen. Sokrates wurde gefragt, was sein Job ist und er sagte: <i>Mäeutik</i> – Hebammenkunst, also Geburtshelfer. Was soll das anderes heißen als der Psyche zu helfen, geboren zu werden? Das scheint also ein ganz alter Job zu sein, den es geben muss, seit es Menschen gibt. Man könnte sagen: Das männliche Pendant zur Hebamme.</p>
<p>Um im Sprachgebrauch deiner Interviewreihe zu sprechen: Es gibt für das Erwachsenwerden zwei wirklich hilfreiche „Pillen“: Die schwarze Pille, die das unmittelbare Sehen der eigenen Unvollständigkeit und damit auch das Leiden am eigenen Zustand erhöht. Und es gibt die rote Pille, die aufklärt und Ressourcen und Werkzeuge an die Hand gibt, um den notwendigen Weg zu finden und gehen zu können. Um ein anderes Bild zu verwenden: Die hilfreichen Engel tragen einen Schild und ein Schwert. Den Schild, um dich zu schützen vor all dem, was dich zurückhalten, hindern und stoppen könnte, und ein flammendes Schwert, um alles von dir abzuschneiden, was dich für den psychischen Geburtskanal zu fett und zu träge macht. Das tut weh. Das sind also nicht die Engel mit der Harfe. Die gibt es auch, aber sie warten auf der anderen Seite auf dich.</p>
<p>Für einen Menschen, dessen emotionale Entwicklung vor dem 12. Lebensjahr aufgehört hat – was statistisch der Normalfall ist –, ergibt das, worum sich unser Gespräch hier dreht, keinen Sinn. Solche Hinweise sind nur für diejenigen von Interesse, die den Zugang zum Erwachsenwerden bereits suchen und mehr oder weniger schmerzlich vermissen – auch wenn sie das so nicht benennen können. Deswegen ist der Anfang dieser Reise eine grundlegende und tiefgreifende Unzufriedenheit mit sich und dem eigenen Leben, die so stark wird, dass sie ebenso grundsätzliche und tiefgreifende Fragen aufwirft, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Und diese Fragen können einen über den Weg der mentalen und emotionalen Pubertät zu mehr Verständnis und zu einem anderen Selbst- und Weltbewusstsein führen.</p>
<p>Wir sollten uns bewusst machen, dass Erwachsenwerden ein sehr schwieriger Weg mit einer sehr geringen Erfolgsquote ist. So wie sich Millionen Spermien zur Eizelle aufmachen, von denen es – wenn überhaupt – nur ein einziges schafft, ein neues Lebewesen hervorzubringen und seinen inneren Code der Einzigartigkeit zu inkarnieren. Viele sind gerufen, aber nur wenige sind auserwählt. Um das psychologisch zu übersetzen: Es gibt in dir tausende Motivationen und Stimmen, die zwar gerufen, aber nicht auserwählt sind, durchzukommen. Es gibt nur ein paar Stimmen in dir, die dich ans andere Ufer bringen können. Ein sinnvolles Motiv dieses Interviews kann nur darin bestehen, eine Klärung und Freilegung der Motivation zu schaffen, warum man überhaupt dort hinkommen wollen würde – also erstmal in die volle Pubertät als Geburtsprozess. Du erlebst einen Kinofilm ja auch nicht dadurch, dass dir jemand davon erzählt. Wir haben also eigentlich über den Zugang zur Suche selbst gesprochen und über das, was über deine Fragen und meine Antworten hinaus ins Unbekannte ragt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-5626 size-large" src="http://p000341693.pwhost.de/wp-content/uploads/2025/01/DSC05798-scaled-1-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" /></p>
<p><i>Foto-Credit: Philipp Alsleben</i></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://laurensdillmann.de/wirklich-erwachsen-werden-mit-psychologe-und-koerperpsychotherapeut-philipp-alsleben/">Wirklich Erwachsen werden – mit Psychologe und Körperpsychotherapeut Philipp Alsleben</a> erschien zuerst auf <a href="https://laurensdillmann.de">Laurens Dillmann</a>.</p>
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